E x h i b i t i o n s
Anca Munteanu Rimnic: Simulanta

Opening: June 22, 6 – 9pm
Duration of the exhibition: June 23 – July 29, 2017

 

 

 

 

“The world in which we live is so diverse. You really can’t say we had no choice,” says Anca Munteanu Rimnic while walking back and forth through the exhibition space in her tap shoes. How do art works function in their different dimensions and relations? How do they set themselves apart from others, as well as from the exhibition space? These circular movements inscribe themselves into the presentation of the works.

In Munteanu Rimnic’s work motives and media differ from each other remarkably. They connect as if following a secret logic, regardless of typical attributions concerning their respective sources. Photography, video and sound works, various objects—found or produced by the artist—form an open, instable system. Some works appear to be variable, their correlations negotiable, others are combined to form new constellations and works on site.

Born in Romania and raised in Germany, Anca Munteanu Rimnic investigates the fluid entity that is identity. She is not merely searching for traces, but rather develops new ideas that accumulate unlocatability and strangeness. Identity and exhibition–both being mutable, ambivalent structures–are being used and questioned less in the sense of an artistic productivity, but rather in favor of a playful, conceptual approach. Although the category of playfulness is terminologically problematic, spawned by the critique of authenticity in the last decades, it describes Munteanu Rimnic’s intuitive accumulation of objects quite well. In immediate, daily forms and situations she finds allegorical or visual references and develops them further. Many things can be of interest: blocks of salt, old carpets, stitchery, leather whips, a dancing body, the clacking noise of tap shoes, scattered millstones. Presented next to carefully composed photography, one could argue that these are still lives of sensitivities, but they have a tangible presence that exceeds description. Focusing on the curiosities and the independent existences of the objects, the view suggests an animistic reading.

–Gergana Todorova

We thank Yeri Anarika, Ulrike Eidinger, Ulrich Gähler, Tilman Wendland und Gergana Todorova for their artistic support.

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“Die Welt, in der wir leben, ist so abwechslungsreich. Man kann wirklich nicht behaupten, wir hätten keine Auswahl.“, sagt Anca Munteanu Rimnic, während sie in Steppschuhen durch den Ausstellungsraum hin- und herläuft. Wie funktionieren Kunstobjekte in ihren unterschiedlichen Dimensionen und Verknüpfungen? Wie heben sie sich von anderen ab, wie zeigen sie sich, wie sehen sie von der Seite aus? Diese künstlerischen Kreisbewegungen schreiben sich in ihre Präsentation ein.

Die verschiedenen Elemente und Medien in Anca Munteanu Rimnics Werk unterscheiden sich auffällig voneinander. Sie fügen sich zusammen, indem sie einer Logik folgen, die Zuschreibungen hinsichtlich ihrer Herkunft umgeht. Fotografien, Video- oder Sound-Arbeiten, Gegenstände mannigfaltiger Natur – gefunden oder von der Künstlerin angefertigt – bilden ein offenes, instabiles System. Einige erscheinen variierbar, die von ihnen ausgehenden Zusammenhänge verhandelbar, andere werden vor Ort zu neuen Werken und Konstellationen kombiniert.

In Rumänien geboren und in Deutschland aufgewachsen, untersucht Anca die fluide Einheit Identität. Sie betreibt allerdings keine Spurensuche, vielmehr entwickelt sie Ideen, die Unverortbarkeit und Fremdartigkeit akkumulieren. Identität und Ausstellung – beide als wandelbare, ambivalente Strukturen verwandt – werden weniger im Sinne der künstlerischen Produktivität sondern zugunsten einer spielerischen, konzeptuellen Haltung genutzt. Obgleich die Kategorie des Spielerischen eine begriffliche Problemstelle darstellt – hervorgebracht durch die Authentizitätskritik der letzten Jahrzehnte – beschreibt sie Ancas intuitiv angelegte Zusammenführung von Dingen ganz treffend. In unmittelbaren, alltäglichen Formen und Situationen findet sie allegorische oder visuelle Bezüge, greift sie auf und denkt sie weiter. Dabei kann einiges ihr Interesse wecken: Salzblöcke, alte Teppiche oder Stickereien, Lederpeitschen, ein tanzender Körper, das Klackern von Steppschuhen, herumliegende Mahlsteine. Gezeigt neben sorgsam komponierten Fotografien. Man könnte dagegen halten, dies wären Befindlichkeitsstillleben, sie haben aber eine dingliche Präsenz, die über das Bezeichnen hinausgehen muss. Der auf Merkwürdigkeiten und auf das Eigenleben der Gegenstände gerichtete Blick liegt eine animistische Deutung nah. 

Die meisten Ideen werden gegen ihre Realisierbarkeit, Relevanz oder Angemessenheit aufgewogen und nicht umgesetzt. Anca Munteanu Rimnic arbeitet entgegengesetzt – beobachten, erkennen, machen, bevor das Analytische Überhand nimmt. Bilder produzieren, Präsenz greifbar machen, diese eventuell auch verwerfen, Einschübe und Missverständnisse sichtbar werden lassen. Humoristisch daherkommend, geben Munteanu Rimnics Arbeiten durchaus kantige Kommentare über Kunstproduktion ab. Sicherlich könnte man in dieser Haltung Kritik lesen. Spannender als die Kritik bleibt allerdings immer das Spiel. 

–Gergana Todorova

Wir danken Yeri Anarika, Ulrike Eidinger, Ulrich Gähler, Tilman Wendland und Gergana Todorova für ihre künstlerische Unterstützung.